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Der Felt Sense

Posted on February 28, 2012 at 12:00 AM

Das, was Focusing einzigartig macht, ist die Arbeit mit dem, was wir den "Felt Sense" nennen. Keine andere Methode innerer Arbeit hat etwas Vergleichbares. Es ist recht einfach, einen Felt Sense zu spüren, sobald man Focusing gelernt hat, doch es ist schwer zu erklären, was ein Felt Sense ist. Trotzdem möchte ich es versuchen...


Manchmal spüren wir in uns etwas Komisches, so etwas Undefinierbares. DAS ist der Felt Sense. Vielleicht werden wir mit einer bestimmten Lebenssituation konfrontiert und haben so ein mulmiges Gefühl im Bauch. Es ist charakteristisch für einen Felt Sense, dass er körperlich spürbar ist, dass man also spürt, dass da etwas im Bauch ist, und dass dieses Gefühl zunächst undefinierbar ist. Das Wort "mulmig" kommt möglicherweise als erstes, doch wenn man länger bei dem Gefühl im Bauch bleibt, spürt man, dass "mulmig" es nicht trifft, nicht ganz genau.


Dieses komische Körpergefühl, dem wir normalerweise keine Beachtung schenken, ist unsere Eintrittspforte zu einem inneren Wissen, zur Weisheit unseres Körpers. (Warum der Körper ein inneres Wissen hat, habe ich letzte Woche erklärt; siehe Eintrag "Das Implizite") Wenn man länger dabei verweilt und eine Beziehung dazu aufbaut, die geprägt ist von Akzeptanz und Interesse, vollzieht der Felt Sense Schritte und enthüllt Bedeutungen, die uns zuvor verborgen waren. Daher der Begriff "Felt Sense", übersetzbar mit "gefühlter Sinn" oder "gefühlte Bedeutung". Ich fühle etwas und spüre, dass es eine Bedeutung hat. Der Knoten im Magen oder der Druck auf den Schultern hat nichts damit zu tun, dass ich verkrampft sitze, sondern steht im Zusammenhang mit etwas in meinem Leben. Der Felt Sense ist sozusagen die Schnittstelle zwischen innen und außen, unsere innere Reaktion auf äußere Umstände.


Häufig ist der Felt Sense nicht einfach da, sondern er muss sich erst formen. Er braucht etwas Zeit, um zu entstehen. Doch wie mache ich das? Wie lasse ich einen Felt Sense kommen? Wenn man mit der Aufmerksamkeit nach innen geht, kommt gewöhnlich etwas. Das, was kommt, sind üblicherweise Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen oder innere Bilder. Wenn ich bei dem, was kommt, bleibe, auch wenn es mir unwichtig oder wie eine Ablenkung vorkommt, und spüre, wie sich all das in meinem Körper anfühlt, formt sich ein Felt Sense. Wie fühlen sich die Gedanken und Bilder und Gefühle und Körperempfindungen in mir an? Vielleicht als säße ich auf einem Karussel und würde nach außen geschleudert? Welches holistische Körpergefühl kommt?


Wenn sich eine Felt Sense formt, bringt das häufig schon spürbare Befreiung. Ein Felt Sense ist etwas, das ich habe, nicht etwas, das ich bin. Ich HABE all diese Empfindungen, aber ich BIN NICHT all diese Dinge. Wenn man geduldig bei dem Felt Sense verweilt, wird er sich entwickeln, er wird Schitte machen und uns enthüllen, was richtig ist für uns.


Die Erfahrung des Unterrichtens von Focusing hat jedoch gezeigt, dass das Konzept des Felt Sense häufig hinderlich ist für die Arbeit mit einem Felt Sense, da sich Menschen oft fragen: "Ist das jetzt ein Felt Sense? Mache ich das richtig?" Diese Zweifel können die innere Arbeit behindern. Im Focusing bleiben wir einfach innerlich bei all dem, was aufsteigt, egal was es ist, und spüren, wie sich das im Körper anfühlt. Der Prozess geht seinen eigenen Weg. Ob etwas ein Felt Sense ist oder nicht, spielt für die konkrete innere Arbeit keine Rolle.


Es braucht etwas Übung, einen Felt Sense zu finden und eine Beziehung dazu aufzubauen, die es ihm ermöglicht, seine eigenen nächsten Schritte zu tun. Wenn Sie sich Unterstützung dabei wünschen, kontaktieren Sie mich.

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