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Disidentifikation

Posted on March 20, 2012 at 1:00 AM

Disidentifikation ist ein wichtiger Schritt im Umgang mit schwierigen Inhalten des Bewusstseins, vor allem bei schwer auszuhaltenden Emotionen. Doch wie funkioniert das? Lassen Sie einmal die folgenden zwei Sätze auf sich wirken:


  • Ich bin wütend.


  • Ich spüre etwas in mir, das wütend ist.


Merken Sie einen Unterschied? Für die meisten Menschen klingt der erste Satz so, als sei der Sprecher der Wut hilflos ausgeliefert. Die Wut ist alles, was da ist, und es gibt niemanden, der bei ihr ist, ihr Gesellschaft leistet und sich für sie interessiert. Im Focusing reden wir hier von Identifikation. Der Sprecher ist mit seiner Wut identifiziert. Er IST die Wut.


Der Sprecher des zweiten Satzes ist von der Wut disidentifiziert. Er lässt sie da sein, ohne sie zu verleugnen, er selbst ist aber auch da. Er ist das "Ich", das etwas spürt. Auf diese Weise ist die Wut nicht allein. Das "Ich" ist bei ihr und leistet ihr Gesellschaft. Es entsteht Raum für Neugier. Was ist das eigentlich in mir, das wütend ist? Erst aus der Disidentifikation heraus wird Focusing möglich. Es gibt ein "Ich", das auf ein "Etwas" fokussiert. Der Sprecher tritt der Wut gegenüber und ist somit von ihr getrennt.


Wenn Sie im Focusing-Prozess stecken bleiben, spüren sie einmal nach, ob Sie mit etwas identifiziert sind. (Häufig - aber nicht immer - ist das etwas, das endlich Ergebnisse sehen will, das sich sehnlichst Veränderung wünscht und Druck ausübt.) Sollten Sie spüren, dass Sie identifiziert sind, disidentifizieren Sie sich mit Hilfe des Satzes "Ich spüre etwas in mir, das..." Danach können und sollten Sie auch darauf fokussieren.


Hierbei handelt es sich um mehr als nur um einen sprachlichen Trick. Durch die Veränderung der Formulierung ändert sich die Selbstwahrnehmung. Es wird einem bewusst, dass man mehr ist als all die Dinge, die in einem vorgehen. All das ist in mir, aber ICH bin derjenige, der all das wahrnehmen kann. All das gehört zu mir, aber ICH bin größer. ICH kann allem gegenübertreten und einen Raum schaffen, in dem Wandel möglich wird.


Die eigenen Identifikationen zu erkennen ist schwer - auch für erfahrene Fokussierende. Wenn Sie sich meine Unterstützung dabei wünschen, kontaktieren Sie mich.



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