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Focusing u. Widerstand

Posted on October 16, 2012 at 12:00 AM

Wenn man irgendeine Form innerer Arbeit betreibt, trifft man irgendwann einmal auf das, was die Psychoanalyse "Widerstand" nennt. Man nimmt innerlich etwas war, will sich aber nicht damit auseinandersetzen: "Ich habe Angst davor." "Ich will nicht an diese Stelle gehen." Viele Methoden vertreten die Auffassung, dass dieser Widerstand gebrochen werden muss, damit die innere Arbeit weitergehen kann. Der Widerstand muss aufgegeben werden, weil er im Weg ist. Beim Focusing gehen wir anders mit Widerstand um. Wir sprechen nicht einmal von "Widerstand".


Focusing liegt die Auffassung zugrunde, dass alles, was innerlich aufsteigt, aus einem guten Grund kommt. Auch der sogenannte Widerstand. Alles, was kommt, will wahrgenommen und verstanden werden. Anstelle von Widerstand reden wir daher von "etwas, das nicht will". Und das klingt vielleicht so: "Etwas in mir empfindet XYZ und etwas in mir will sich damit nicht auseinandersetzen." Wenn das passiert, braucht das, was sich in den Weg stellt, zuerst Aufmerksamkeit. Die Erfahrung zeigt, dass es, wenn es ganz vertstanden wird und mitteilen kann, warum es nicht will, den Weg frei macht und man sich dann dem zuwenden kann, was anfangs versperrt war.


Alles in uns kommt aus einem guten Grund und braucht Aufmerksamkeit, auch die inneren Teile, die verhindern, dass wir andere Teile erforschen. Diese wollen nicht gebrochen oder zur Seite geschoben werden. Sie wollen ganz verstanden werden. Auch das ist Bestandteil der inneren Arbeit.

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