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Das Trauma liegt nicht im Ereignis, sondern in dem, was danach nicht passiert

Posted on July 20, 2019 at 8:05 AM

Keiner von uns geht ohne Verletzungen und Verluste durchs Leben. Ob daraus ein Trauma wird oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab.





Wir können Trauma als ein Ereignis definieren, dass uns in unserer körperlichen oder psychischen Existenz bedroht und das so intensiv ist, dass unser Nervensystem es nicht verarbeiten kann.




Das Ereignis selbst spielt dabei natürlich auch eine Rolle, aber nicht die entscheidende. Das erkennt man daran, dass unterschiedliche Menschen, bedingt durch ihre Lebensgeschichte und ihren kulturellen Hintergrund, bestimmte Ereignisse völlig anders bewerten.




Was der eine als bedrohlich erlebt, ist es für den anderen noch lange nicht. In der einen Kultur ist Nacktheit schockierend, in der anderen ist sie völlig normal. Ein geübter Fallschirmspringer erlebt den Sprung aus großer Höhe als Kick, jemand, der gezwungen ist, per Fallschirm aus einem abstürzenden Flugzeug zu springen, als extrem beängstigend. (Natürlich gibt es auch Ereignisse, die universell als bedrohlich erlebt werden, wie z.B. ein Überfall, eine Vergewaltigung oder die Begegnung mit einem Tiger in freier Wildbahn).




Ob sich dieses Erlebnis aber nun als Trauma in unser überfordertes Nervensystem einbrennt oder nicht, ist vor allem davon abhängig, wie wir von anderen Menschen NACH dem Vorfall unterstützt werden. Werden wir gehalten und in den Arm genommen, wird uns zugehört und geglaubt, dürfen wir davon erzählen, wie es uns geht, und dürfen wir die aufgestaute Energie herauslassen, dann kommt es zu KEINEM Trauma.




Bekommen wir diese Unterstützung jedoch nicht, bleibt die Energie in unserem System stecken und wir rennen fortan mit ihr durchs Leben. Diese Energie wird dann ihr Unwesen in uns treiben und sich solange in für uns unerklärlichen Symtomen äußern, bis wir jemanden finden, der uns hilft, sie zu verarbeiten. Und das macht Hoffnung, denn diese Hilfe ist auch noch Jahre oder sogar Jahrzehnte später möglich.




Focusing nach Gene Gendlin und Somatic Experiencing nach Peter Levine sind zwei (sich sehr ähnliche) Prozesse, die dabei helfen können, die angestaute Energie des unverarbeiteten Traumas wieder in Fluss zu bringen. Wirksam werden diese Methoden dann, wenn sie in einer unterstützenden Beziehung, wie oben beschrieben, eingebettet sind.

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