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Focusing-Partner

Posted on January 31, 2012 at 2:00 AM

Letzte Woche habe ich Wege aufgezeigt, wie Focusing alleine funktionieren kann, und dargelegt, warum Focusing alleine in der Regel schwerer und weniger tief ist als begleitetes Focusing.


Zur Erinnerung: Die inneren Prozesse, die beim Focusing ablaufen, sind gebunden an äußere Bedingungen, vor allem an soziale Interaktion. Äußere Bedingungen, wie etwa Ruhe, Sicherheit, einen äußeren Rahmen, der das, was man macht, als Focusing-Sitzung definiert, kann man alleine schaffen, soziale Interaktion aber nicht. Es ist möglich, beim Focusing alleine innere Wahrheiten zu entdecken, die große Befreiung bringen, aber auch diese müssen in irgendeiner Form in die Welt hinaus getragen werden und bedürfen der sozialen Anerkennung, um voll und ganz gelebt werden zu können.


Focusing-Partnerschaften sind DER Weg, um Focusing in sein Leben zu integrieren und um die inneren Schritte, die kommen, fest in sich zu verankern. Doch was gibt es bei Focusing-Partnerschaften zu beachten?


Zunächst einmal zu der Frage, wie man Focusing-Partner findet: Der übliche Weg ist, dass man ein Focusing-Seminar besucht und sich unter den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern umsieht. Die Person sollte ungefähr auf demselben Stand sein wie man selbst. Es sollte eine Person sein, die man für kompetent hält und zu der man Vertrauen hat. 


Desweiteren sollten die partnerschaftlichen Sitzungen regelmäßig stattfinden, am besten einmal pro Woche, einmal alle zwei Wochen oder einmal pro Monat. Die Verabredung, "nach Bedarf" zu fokussieren, versandet erfahrungsgemäß irgendwann.


Außerdem sollte man die Zeit, die zur Verfügung steht, zu gleichen Teilen aufteilen. Ich selbst habe zwei Focusing-Partnerinnen. Mit der einen telefoniere ich einmal die Woche eine Stunde. Eine Woche ist meine Partnerin an der Reihe, in der nächsten Woche dann ich. Mit meiner zweiten Partnerin telefoniere ich einmal pro Monat für 90 Minuten. Jeder bekommt dabei 45 Minuten Zeit für seinen Prozess.


Manchmal ist man in Versuchung, seine Zeit an den Partner abzugeben, weil man selbst gerade nichts Besonderes spürt. Dieser Versuchung sollte man nur sehr selten nachgeben. Der Grund ist, dass eine Person zur "bedürftigen" und die andere zur "gebenden" wird, wenn das häufiger vorkommt. Und dadurch verschiebt sich das Machtgefüge der Partnerschaft. Dieses sollte gleich sein. Jeder Partner sollte mal der nehmende, mal der gebende sein. Auch wenn man glaubt, dass man an einem Tag kein bestimmtes Thema hat, kommt meistens doch irgendetwas, manchmal sogar etwas sehr Wertvolles, vielleicht gerade deswegen, weil man nicht damit rechnet und ohne Erwartung und offen an sein inneres Erleben herantritt.


Entscheidend wichtig ist außerdem, dass man die Inhalte und Themen des Prozesses des Partners nicht kommentiert, weder vor noch während noch nach der Sitzung. Seine eigene Meinung zu den Themen des Partners sollte man für sich behalten. Selbst ein positiver Kommentar wie "Das hast du wirklich richtig gemacht" kann den Focusing-Prozess beeinträchtigen. Das liegt daran, dass "etwas" in dem Fokussierenden auf das "Etwas" beim Begleiter reagieren könnte, das bewertet, und dann nur noch mit diesem kommuniziert, um es zu überzeugen, um noch mehr Bestätigung zu bekommen etc., ohne dass der Fokussierende es merkt. Um diese "interpersonelle" Kommunikation geht es nicht beim Focusing. Das "Etwas" des Fokussierenden soll mit ihm, dem Fokussierenden, kommunizieren, nicht mit dem Partner.


Bewertungen - auch positive - können eventuell die Partnerschaft zu einem unsicheren Ort machen. Wenn regelmäßig bewertet wird, besteht die Gefahr, dass beim nächsten Mal negativ bewertet wird, und das hindert unser Erleben daran, sich voll und ganz zu zeigen. Wer streckt schon gerne den Kopf heraus, wenn er damit rechnen muss, eins übergebraten zu bekommen. Daher sollte mit Meinungen und Kommentaren sehr vorsichtig umgegangen werden. 


Natürlich dürfen eigene Meinungen innerlich immer da sein. Man sollte nur aufpassen, wieviel man davon mitteilt. Sollte etwas, womit sich der Fokussierende beschäftigt, eine sehr starke Reaktion beim Begleiter auslösen, sollte dieser darauf fokussieren - am besten mit einem anderen Partner.


Wenn man diese Ratschläge und Sicherheitshinweise berücksichtigt, kann eine Focusing-Partnerschaft zu einem Ort werden, der nachhaltig zu echtem inneren Wandel führt. Das ist absolut unbezahlbar! Und hier zeigt sich ein weiterer Vorteil von Focusing-Partnerschaften: Sie sind kostenlos.

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